Denk ich an Deutschland

Das wiedervereinigte Deutschland hat das Elend des real existierenden Sozialismus hinter sich gelassen, um in das Elend des Neoliberalismus hineinzuwachsen. Die gesamtdeutsche Bilanz des Jahres 2017 sieht etwa folgendermassen aus: man zählt über 3,2 Millionen Mehrfachbeschäftigte, die meisten davon bewegen sich am Rande des Existenzminimums. 25% der Arbeitnehmer befinden sich im Niedriglohnsektor. Die Reallöhne haben sich seit zwanzig Jahren kaum von der Stelle bewegt. 50% aller neu entstehenden Jobs sind befristet. Es gibt über 1 Million Leiharbeiter und über 1,5 Millionen Jobber mit variabler Arbeitszeit. Es gibt 7,5 Millionen Teilzeitarbeitsverträge. Es gibt 7 Millionen "Hartz-IV"-Bezieher. 5% eines Schuljahrgangs verlassen die Schule ohne Abschluss, das sind fast 50'000 Jugendliche pro Jahr. Rund 2 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren haben keine Berufsausbildung. Rund 300'000 Jugendliche befinden sich in der Warteschleife zwischen Schule und Ausbildung. Es gibt über 500'000 Grundsicherungsrentner, die mit einer massiven Absenkung des Rentenniveaus rechnen müssen. 2,6 Millionen Kinder leben in Armut. Das ist jedes fünfte Kind. Es gibt etwa 1,5 Millionen "Tafel"-Kunden, die an öffentlichen Ausgabenstellen Nahrung beziehen: fast jeder fünfzigste Deutsche. Dazu kommen 250'000 Flüchtlinge, die sich ebenfalls an die Tafeln drängen, Tendenz steigend. Es gibt 350'000 Stromsperren in Privathaushalten binnen eines Jahres. Es gibt, vorsichtig geschätzt, 2 Millionen Zuwanderer innerhalb von 1 ½ Jahren, ein Zudrang, der den Staat komplett überfordert, sodass man auf freiwillige Helfer angewiesen ist. Für einen Staat mit der Wirtschaftskraft Deutschlands ein Armutszeugnis. Passend dazu das internationale Sicherheitsranking: Deutschland belegt derzeit Platz 51, weit hinter Ruanda, Sierra Leone und Sambia.

 

Aber eigentlich genügt es, wenn man einen einzelnen repräsentativen Posten herausgreift. Mit 335'000 obdachlosen Deutschen, unter ihnen 29'000 Kindern, befindet sich Deutschland, man kann es nicht anders sagen, in einem Zustand totaler sozialer Desolation. Wohlgemerkt: diese Zahlen schnellen durch die Decke. Es handelt sich nicht um den normalen, seit Jahrzehnten bestehenden Armutssockel. Überdies ist es keine relative Armut, denn die Standardbehauptung, die Armen in Mitteleuropa müssten ja nicht hungern, es sei also eine Armut auf hohem Niveau, ist nachweislich falsch. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Stand 2016) haben in Deutschland etwa 538'000 Menschen Mühe, zweimal in der Woche eine ausreichende Mahlzeit zu bekommen. Wenn die UN-Welternährungsorganisation eine signifikante Rückkehr der Ernährungsarmut in den Industrieländern nachweist, so hat sie dabei auch Deutschland im Blick. Diese Zahlen werden noch anstössiger, wenn man sie vor dem Hintergrund der Ungleichverteilung sieht. In Deutschland besitzt das reichste Hundertstel etwa 30 Prozent des Volksvermögens. Ausserdem brummt in Deutschland die Konjunktur wie schon lange nicht mehr. Hauptsächlich dank Aussenhandel und Bauwirtschaft. Das Missverhältnis zwischen dem Wirtschaftsboom, respektive den daraus resultierenden Überschüssen im Staatshaushalt und dem sinkenden Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten wird noch signifikanter, wenn man das Ganze in Bezug setzt zu den neun Luxusbüros, die der spitzenmässig besoldete Ex-Bundespräsident Joachim Gauck für sich und seine spitzenmässig besoldete Entourage hat herrichten lassen, nachdem sein Vorgänger wegen eines unrechtmässig gesponserten Luxus-Urlaubes zurückgetreten war. Dazu muss man eines wissen: in Deutschland gilt der Bundespräsident von Amts wegen als oberste moralische Instanz. 

 

Realitätsfremd und abgehoben, so kommen mir die Politiker incl. Angela Merkel vor. Die "hervorragenden" Haushaltsbilanzen werden doch auf dem Buckel der Niedrigverdiener und des "Mittelstands" erwirtschaftet. Es gibt inzwischen zu viele Menschen, die mit ihrem normalen Fulltime-Job oder mit 3 Jobs nicht mehr wissen, ob sie die nächste Mieterhöhung, Strom, Gas, Wasser-Erhöhung oder Spritpreiserhöhung stemmen können. Dieses Land ist in einer sozialen Schieflage, die es seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland noch nie gegeben hat. Die soziale Maktwirtschaft, die einer der Grundpfeiler unserer Demokratie war und zum Wirtschaftswunder geführt hat, ist praktisch nicht mehr existent. Und da wundern sich diese Ar........ noch, daß die AfD immer mehr Zuspruch bekommt.

 

Ein echter Hasskommentar. Ich habe ihn aus irgendeinem Forum kopiert. Es ist eine Stimme, wie es viele Stimmen derzeit in Deutschland gibt. Ein Wutbürger? Ein Proto-Faschist? Ein AfD-Sympathisant? Die neoliberale Machtfraktion spart nicht mit solchen Etikettierungen. Am liebsten würde sie das Internet gründlich ausjäten und solche Stimmen zum Schweigen bringen. Doch die billige Moralkeule kommt nicht gegen die Wahrheit an. Da spricht ein ganz normaler deutscher Bürger, der im Jahr 2017 "sein" Deutschland beschreibt. Denk ich an Deutschland in der Nacht....